Content Strategie für Sport Brands: Von der Idee zur Umsetzung
Christopher Klenk · Zuletzt aktualisiert: Februar 2026Du postest dreimal die Woche, die Zahlen sehen okay aus – Likes, Reichweite, vielleicht sogar wachsende Follower. Aber unterm Strich passiert nichts. Keine Anfragen, keine Verkäufe, keine Kunden. Sound familiar?

TL;DR – Das Wichtigste in 30 Sekunden
Content-Strategie ist der Unterschied zwischen ziellosem Posten und systematischem Aufbau von Sichtbarkeit. Dieser Guide vergleicht fünf Frameworks – von Topical Authority (unser Fundament) bis They Ask You Answer – und zeigt, welches zu welchem Geschäftsmodell passt. Dazu: Warum Klicks in Zeiten von AI Overviews nicht mehr die alleinige Währung sind und welche KPIs für Onlineshops, Trainer, Brands und lokale Studios wirklich zählen.
Dann fehlt dir wahrscheinlich keine Content-Produktion. Dir fehlt eine Content-Strategie. Der Unterschied klingt nach Semantik, ist aber fundamental. Content-Produktion ist das Hamsterrad – du rennst, ohne anzukommen. Content-Strategie ist die Landkarte, die dir zeigt, wohin du rennst und warum.
Content-Strategie klingt nach Konzern mit Marketing-Abteilung und Redaktionskalender-Meetings. Ist es aber nicht. Es ist der Unterschied zwischen ziellosem Posten und systematischem Aufbau von Sichtbarkeit, Vertrauen und letztlich Umsatz – auch für Einzelkämpfer und kleine Teams.
Ich sehe das bei fast jedem Unternehmen, das zu uns kommt: Sie produzieren fleißig Content, aber ohne Plan. 50 Instagram-Posts, 20 Blogartikel, ein YouTube-Kanal – alles Einzelstücke ohne Zusammenhang. Das ist wie Training ohne Programm: Du machst was, aber du kommst nicht voran.
Was Content-Strategie von „einfach Content machen“ unterscheidet
Eine Content-Strategie unterscheidet sich von „einfach Content machen“ durch klare Ziele, definierte Zielgruppen und messbare KPIs – ohne diese drei Elemente produzierst du Content nach Bauchgefühl und hoffst, dass irgendwas funktioniert.
Content ohne Strategie im Online Marekting für Sport und Fitness ist wie Training ohne Plan: Du machst irgendwas, schwitzt vielleicht sogar, aber die Ergebnisse bleiben aus oder sind zufällig. Du weißt nicht, was funktioniert und was nicht, weil du nichts misst. Du weißt nicht, ob du auf dem richtigen Weg bist, weil du keinen Weg definiert hast.
Kurz erklärt
Content-Produktion – Das operative Erstellen von Inhalten: Texte schreiben, Videos drehen, Posts planen. Das Hamsterrad.
Content-Strategie – Der übergeordnete Plan: Warum, für wen und mit welchem Ziel du Inhalte erstellst. Die Landkarte.
Die drei Kernfragen, die eine Strategie beantwortet
Was willst du erreichen?
Echte Ziele statt Wunschträume
Nicht „mehr Reichweite“ oder „mehr Follower“ – das sind keine Ziele, das sind Wunschträume. Echte Ziele sind: 20% mehr organischer Traffic in 6 Monaten. 50 qualifizierte Anfragen pro Quartal. 10.000 Euro Umsatz durch Content-generierte Leads. Konkret, messbar, mit Deadline.
Für wen erstellst du Inhalte?
Spezifische Zielgruppe statt „alle“
„Alle, die sich für Fitness interessieren“ ist keine Zielgruppe. Das ist die halbe Menschheit. Deine Zielgruppe ist spezifisch: Männer zwischen 30 und 45, die nach Jahren ohne Sport wieder anfangen wollen und keine Zeit für stundenlanges Training haben. Oder: Frauen nach der Schwangerschaft, die ihren Körper zurückgewinnen wollen, ohne ihr Baby in der Kita abzugeben. Je spezifischer, desto besser – weil du dann genau weißt, welche Probleme und Fragen diese Menschen haben.
Woher weißt du, ob es funktioniert?
Messung statt Bauchgefühl
Ohne Messung ist alles Bauchgefühl. Welche Metriken zählen für deine Ziele? Das hängt von deinem Geschäftsmodell ab – ein Onlineshop misst anders als ein Personal Trainer. Dazu kommen wir in der Sektion „Erfolg messen“ noch im Detail. Der Punkt hier: Definiere vorher, was Erfolg bedeutet, bevor du Content produzierst.
Wichtig: Content-Strategie ≠ nur SEO-Strategie
Eine vollständige Content-Strategie hat mindestens zwei Säulen: organische Sichtbarkeit (Google, SEO, Blog) und Social Media. Dieser Artikel konzentriert sich auf die erste Säule – Suchmaschinen-Sichtbarkeit, Themencluster, Frameworks für organischen Traffic.
Social Media ist dabei nicht „nimm deinen Blogartikel und poste ihn auf Instagram“. Social Media Content folgt eigenen Regeln: andere Formate, anderer Rhythmus, andere KPIs, andere Zielgruppen-Ansprache. Ein Karussell-Post, der auf Instagram funktioniert, hat wenig mit einem SEO-Artikel gemeinsam – und sollte es auch nicht.
Die beiden Säulen verstärken sich gegenseitig: Dein SEO-Content baut langfristige Sichtbarkeit auf, Social Media sorgt für sofortige Reichweite und Markenbekanntheit. Die Kombination ist der Hebel.
Die richtigen Themen finden: Jenseits der Keyword-Tools
Die besten Content-Themen entstehen nicht in Keyword-Tools, sondern dort, wo deine Zielgruppe ist – in Gesprächen mit Kunden, in Fragen, die dir immer wieder gestellt werden, in Problemen, die du ständig löst.
Hier ist mein kontroverser Take: Die meisten Fitness-Brands machen Content rückwärts. Sie öffnen ein Keyword-Tool, suchen nach Begriffen mit hohem Suchvolumen und produzieren dann Content dazu. Das Ergebnis? Der 1.000ste Artikel zu „Wie viel Protein pro Tag“ – identisch mit allen anderen, ohne Chance auf Rankings, ohne Differenzierung.
Besserer Ansatz: Starte bei den echten Fragen deiner echten Kunden. Was fragen sie dich im Erstgespräch? Wo haben sie Misconceptions? Welche Fehler machen sie alle? Diese Fragen sind Gold – weil du weißt, dass echte Menschen sie haben, und weil du vermutlich bessere Antworten geben kannst als der generische Onlinecontent.
Quellen für Themen, die funktionieren
Kundengespräche
Deine beste Quelle für echte Fragen
Die Fragen, die dir ständig gestellt werden. Die Einwände, die immer wieder kommen. Die Missverständnisse, die du regelmäßig korrigierst. Führe ein Notizbuch oder eine Notiz-App, in der du diese sammelst.
Kundensupport und Sales
Direkter Einblick in den Kopf deiner Zielgruppe
Was fragt dein Vertrieb immer wieder? Was sind die häufigsten Fragen vor dem Kauf? Was sind die häufigsten Probleme nach dem Kauf? Das ist direkter Einblick in den Kopf deiner Zielgruppe.
Foren und Communities
Wo deine Zielgruppe wirklich diskutiert
Reddit, Facebook-Gruppen, Fitnessforen – wo diskutiert deine Zielgruppe? Was sind die Threads mit den meisten Kommentaren? Welche Fragen werden immer wieder gestellt?
Konkurrenzanalyse
Lücken finden, nicht kopieren
Nicht um zu kopieren, sondern um Lücken zu finden. Was machen alle? Gibt es Winkel, die niemand abdeckt? Fragen, die niemand gut beantwortet?
Dann erst: Keyword-Tools
Zur Validierung, nicht als Startpunkt
Um zu validieren, ob Suchvolumen existiert. Um verwandte Begriffe zu finden. Um die Suchintention zu verstehen. Aber als Ergänzung, nicht als Startpunkt.
Themencluster: Warum Einzelartikel nicht mehr reichen
Einzelne Artikel zu einzelnen Keywords sind SEO von 2015 – heute baut Google Rankings auf Basis von Topical Authority auf, also der Tiefe und Breite, mit der du ein Themenfeld abdeckst.
Das bedeutet: Wenn du einen einzelnen Artikel zu „Krafttraining für Anfänger“ schreibst, konkurrierst du gegen Websites, die das gesamte Themenfeld Krafttraining mit 50+ Artikeln abdecken. Und du verlierst – egal wie gut dein einzelner Artikel ist.
Die Lösung: Themencluster. Du wählst ein Kernthema und baust darum herum ein Ökosystem aus verknüpften Inhalten. Eine umfassende Pillar Page als Zentrum, umgeben von spezialisierten Cluster-Artikeln, die alle miteinander verlinkt sind.
Kurz erklärt
Pillar Page – Ein umfassender Hauptartikel (3.000–5.000 Wörter), der ein Kernthema breit abdeckt und als Zentrum des Clusters fungiert.
Cluster-Artikel – Spezialisierte Einzelartikel, die Unterthemen vertiefen und untereinander sowie zur Pillar Page verlinken.
Beispiel: Wie ein Home-Gym-Shop mit Themenclustern die Kaufentscheidung begleitet
Home Gyms sind seit der Pandemie kein Nischenthema mehr – aber die meisten Shops verkaufen immer noch nur über Produktseiten und hoffen auf Google Shopping. Wer stattdessen ein Themencluster aufbaut, fängt Kunden dort ab, wo die Kaufentscheidung wirklich beginnt: bei der Recherche.
Cluster-Beispiel: Home-Gym-Equipment-Shop
Pillar Page: „Home Gym einrichten – Der komplette Guide“ (3.000+ Wörter) – deckt ab: Platzbedarf, Bodenbelag, Grundausstattung vs. Vollausstattung, Budgetplanung, häufige Fehler. Verlinkt auf jeden Cluster-Artikel und die passenden Shop-Kategorien.
Cluster-Artikel: „Home Gym auf 6 Quadratmetern: Was reinpasst und was nicht“, „Power Rack vs. Squat Stand vs. Smith Machine: Der ehrliche Vergleich für zuhause“, „Home-Gym-Boden: Warum Puzzlematten nicht reichen (und was stattdessen)“, „Kurzhanteln vs. verstellbare Hanteln: Was sich ab welchem Budget lohnt“, „Home Gym Belüftung und Lärm: Was deine Nachbarn dir nicht verzeihen“
Der Shop-Effekt: Wer nach „Power Rack für zuhause“ recherchiert, landet nicht auf einer kalten Produktseite, sondern in einem Vergleichsartikel, der ehrlich berät – und am Ende auf die passenden Produkte im Shop verlinkt. Der Kunde kauft bei dir, weil du ihn beraten hast, nicht nur beworben.
Jeder Cluster-Artikel verlinkt zurück zur Pillar Page und zu verwandten Artikeln. Gleichzeitig verlinkt er auf passende Produkte – nicht als plumpe Werbung, sondern als logischer nächster Schritt nach der Beratung. Google sieht die Thementiefe, der Kunde bleibt in deinem Ökosystem statt bei einem Wettbewerber ohne Content zu landen.
Der Punkt: Ein Equipment-Shop, der das Thema Home Gym mit 8–12 Artikeln semantisch vollständig abdeckt, gewinnt nicht nur einzelne Rankings – er wird zur Anlaufstelle für jeden, der sein Gym zuhause plant. Und weil diese Kaufentscheidungen oft mehrere hundert bis tausende Euro umfassen, recherchieren Kunden gründlich. Wer in dieser Recherchephase präsent ist, gewinnt den Kauf.
Die wichtigsten Content-Frameworks: Was funktioniert, was nicht
Themencluster sind eine von mehreren Methoden, Content strategisch zu organisieren – aber nicht die einzige. Wer eine Content-Strategie aufbaut, sollte die gängigen Frameworks kennen und ehrlich einordnen können, was für die eigene Situation passt.
Hier meine ehrliche Einordnung der fünf Frameworks, die ich in der Praxis am häufigsten sehe – mit konkreten Stärken, Schwächen und einem Beispiel für Sport- und Fitnessbrands. Du musst nicht alle fünf im Detail kennen – wenn du den Quick-Start willst, spring direkt zur möglichen Framework-Kombination weiter unten.
Topical Authority (Koray Tuğberk Gübür)
Semantic SEO – Themen statt Keywords denken
Das Framework von Koray Tuğberk Gübür ist das, was wir im Themencluster-Abschnitt bereits angerissen haben – nur deutlich tiefer gedacht. Sein Ansatz: Google versteht nicht einzelne Keywords, sondern Entitäten, Beziehungen und ganze Themenfelder. Wer ranken will, muss ein Thema semantisch vollständig abdecken.
Konkret bedeutet das: Du baust eine „Topical Map“ – eine Landkarte aller Fragen, Unterthemen und Entitäten rund um dein Kernthema. Dann produzierst du systematisch Content, der diese Map abdeckt, und verlinkst alles zu einem semantischen Netzwerk. Ein einziger Makrokontext pro Seite, Überschriften als Fragen formuliert, Antworten in 40 Wörtern – und dann in die Tiefe gehen.
Transparenz: Topical Authority ist das Framework, das ich selbst als Grundlage nehme – allerdings nicht dogmatisch 1:1, sondern flexibel angepasst. Die Kernprinzipien (semantische Vollständigkeit, Entitäten-Denken, interne Verlinkungsstruktur) sind Gold wert. Die strikteren Regeln (exakt 40 Wörter pro Antwort, keine Emotionen im Text) interpretiere ich pragmatischer. Was für eine reine SEO-Content-Fabrik funktioniert, passt nicht immer für Brands, die auch Persönlichkeit zeigen wollen.
Beispiel: Kettlebell-Shop mit Topical Authority
Topical Map „Kettlebell Training“ – Du identifizierst alle Entitäten rund ums Thema: Kettlebell Swing, Kettlebell Clean, Turkish Get-Up, Gewichtswahl, Material (Gusseisen vs. Competition), Grip Strength, Functional Training, Home Gym Setup.
Content-Netzwerk: Pillar „Kettlebell Training – Der komplette Guide“ → Cluster: „Kettlebell Gewicht: Welches ist richtig für dich?“, „Kettlebell vs. Kurzhantel: Der ehrliche Vergleich“, „10 Kettlebell-Übungen für Anfänger (mit Technik-Breakdown)“, „Kettlebell Swing: Die häufigsten Fehler“, „Kaufberatung: Gusseisen, Competition oder verstellbar?“
Entscheidend: Jeder Artikel deckt eine eigene semantische Nische ab, verlinkt zu verwandten Artikeln und zur Pillar Page. Google sieht: Diese Domain versteht Kettlebells komplett – nicht nur ein Keyword.
Stärken
Funktioniert nachweislich – Korays Case Studies zeigen teilweise hunderttausende Klicks in wenigen Monaten. Baut nachhaltige Rankings auf, weil Google die Domain als Autorität erkennt. Macht dich unabhängiger von Backlinks. Neue Artikel ranken schneller, weil das semantische Netzwerk bereits steht.
Schwächen
Extrem komplex in der Umsetzung – Topical Maps richtig zu erstellen erfordert tiefes Verständnis von NLP und Semantik. Für kleine Teams ohne SEO-Erfahrung schwer zugänglich. Erfordert hohen initialen Content-Aufwand, bevor Ergebnisse kommen. Fokus auf organische Suche – ignoriert andere Kanäle.
Meine Einschätzung: Das stärkste Framework für organische Sichtbarkeit, besonders für Onlineshops und Brands mit SEO-Ambitionen. Aber: Du brauchst entweder SEO-Expertise oder eine Agentur, die das wirklich versteht – nicht jemanden, der „Topical Map“ als Buzzword benutzt, ohne die Tiefe dahinter zu kennen.
Der klassische Funnel (TOFU / MOFU / BOFU)
Das älteste Content-Framework – und die Frage, ob es noch lebt
Kurz erklärt
TOFU (Top of Funnel) – Awareness: Breite Inhalte, die Aufmerksamkeit erzeugen. Blogartikel, Social Posts, Erklärvideos.
MOFU (Middle of Funnel) – Consideration: Vertiefende Inhalte für Interessenten. Vergleiche, Guides, Case Studies, Webinare.
BOFU (Bottom of Funnel) – Conversion: Inhalte, die den Abschluss treiben. Produktseiten, Testimonials, Preisübersichten, Demos.
Die ehrliche Antwort auf „Funktionieren Funnels noch?“: Ja, aber anders als vor zehn Jahren. Die Phasen existieren weiterhin – Menschen informieren sich, vergleichen und kaufen. Was nicht mehr stimmt, ist die Annahme, dass sie das linear tun. Niemand fällt brav durch deinen Trichter.
Beispiel: Supplement-Shop mit Funnel-Audit
TOFU: „Was ist Kreatin und brauche ich es?“ – breiter Wissenscontent, der Suchende abholt, die noch am Anfang stehen.
MOFU: „Kreatin Monohydrat vs. Kreatin HCL: Der ehrliche Vergleich“ – für Leser, die schon wissen, dass sie Kreatin wollen, aber nicht welches.
BOFU: Produktseite mit echten Laborergebnissen, Kundenbewertungen und „Jetzt kaufen“-CTA. Der Funnel zeigt dir sofort: Wenn du nur TOFU hast, fehlt dir die Conversion-Brücke.
Stärken
Einfach zu verstehen – auch für Teams ohne Marketinghintergrund. Hilft sofort bei Content-Gap-Analyse: Hast du nur Awareness-Content, fehlt dir die Conversion-Brücke. Universell einsetzbar für B2B und B2C.
Schwächen
Zu linear – Kunden springen zwischen Phasen hin und her. Ignoriert Bestandskunden komplett (der Trichter endet beim Kauf). MOFU wird von den meisten Unternehmen sträflich vernachlässigt.
Meine Einschätzung: Als Denkmodell weiterhin nützlich – gerade für die erste Content-Bestandsaufnahme. In der Praxis aber zu simpel für die heutige Realität. Nutze den Funnel als Audit-Tool, nicht als Strategie.
Das Flywheel (HubSpot)
Vom Trichter zum Schwungrad – Kunden als Wachstumsmotor
HubSpot hat den Funnel 2018 offiziell für tot erklärt und durch das Flywheel ersetzt. Die Kernkritik: Im Funnel sind Kunden ein Endprodukt – nach dem Kauf verschwinden sie. Das Flywheel dreht sich um drei Phasen: Attract (anziehen), Engage (binden), Delight (begeistern). Der entscheidende Unterschied: Begeisterte Kunden werden zu Promotern, die neue Kunden anziehen. Das Rad dreht sich weiter.
Beispiel: Sportbekleidungsmarke mit Flywheel
Attract: SEO-Content zu „Beste Laufbekleidung für Winter“ zieht neue Besucher an.
Engage: Nach dem Kauf: personalisierte Trainingstipps per E-Mail, exklusive Community-Challenges, Early Access für neue Kollektionen.
Delight: Kunde teilt Transformation-Foto auf Instagram, Brand repostet → inspiriert neue Kunden → die kaufen → teilen → das Rad dreht sich. Ein begeisterter Läufer, der deine Marke empfiehlt, bringt mehr als zehn Blogartikel.
Stärken
Denkt über den Kauf hinaus – Retention und Advocacy sind eingebaut. Nutzt Momentum: Zufriedene Kunden senken Akquisitionskosten. Passt perfekt zu Community-getriebenen Brands im Sport- und Fitnessbereich.
Schwächen
Abstrakt – schwer in konkrete Content-Pläne zu übersetzen. Von HubSpot entwickelt, um HubSpot zu verkaufen (ehrlich gesagt). Für Neustarter ohne Kunden fehlt der initiale Schwung fürs Rad.
Meine Einschätzung: Strategisch wertvoll als Denkmodell – besonders die Frage „Was passiert nach dem Kauf?“ wird von den meisten Sport- und Fitnessbrands ignoriert. Kombiniere den Flywheel-Gedanken mit einem handfesteren Framework für die tatsächliche Content-Produktion.
They Ask, You Answer (Marcus Sheridan)
Kundenfragen beantworten – radikal ehrlich
Marcus Sheridan rettete seine Pool-Firma während der Finanzkrise 2008 mit einer simplen Idee: Jede Frage, die ein Kunde stellt, wird auf der Website beantwortet. Auch die unbequemen. Besonders die unbequemen. Daraus wurde ein Framework mit fünf Kernthemen – den „Big 5“:
Preise und Kosten
Was kostet dein Produkt oder Service – und welche Faktoren beeinflussen den Preis? Die meisten Brands drücken sich davor.
„Best of“-Listen
Ehrliche Vergleiche – auch mit deiner Konkurrenz. Dein Produkt muss nicht auf Platz 1 stehen.
Vergleiche
„Produkt A vs. Produkt B“ – Kunden vergleichen sowieso. Besser du lieferst den Vergleich.
Probleme und Nachteile
Was sind die Schwächen deines Produkts? Radikale Ehrlichkeit baut Vertrauen auf, das kein Werbeversprechen erreicht.
Bewertungen und Reviews
Authentische Erfahrungsberichte statt polierter Testimonials.
Beispiel: Personal Trainer mit They Ask, You Answer
Big 5 Preise: „Was kostet Personal Training wirklich? Eine ehrliche Aufschlüsselung“ – inkl. Faktoren wie Standort, Erfahrung, Gruppen- vs. Einzeltraining.
Big 5 Nachteile: „Warum Personal Training manchmal nicht funktioniert – und wie du das vermeidest“ – Ehrlich über unrealistische Erwartungen, fehlende Eigenverantwortung, schlechte Trainer-Klient-Matches.
Effekt: Potenzielle Kunden, die diese Artikel lesen, sind vorinformiert, haben realistische Erwartungen und vertrauen dir – weil du der Einzige warst, der ehrlich war.
Stärken
Extrem einfach zu starten – du brauchst kein SEO-Tool, nur eine Liste von Kundenfragen. Baut echtes Vertrauen durch Transparenz. Der Content schreibt sich praktisch von selbst aus dem Tagesgeschäft.
Schwächen
Kein echtes SEO-Framework – denkt nicht in Themenclustern oder semantischen Netzwerken. Kann repetitiv werden. Erfordert echte Bereitschaft zur Transparenz, die viele Unternehmen scheuen.
Meine Einschätzung: Das beste Einstiegs-Framework für kleine Teams. Die Big 5 sind wie ein Sofort-Redaktionsplan. Für langfristige Sichtbarkeit aber mit Topical Authority kombinieren – TAYA liefert die Themen, Topical Authority die Struktur.
Die „Messy Middle“ (Google)
Warum die Customer Journey kein gerader Weg ist
Die „Messy Middle“ ist Googles eigene Forschung darüber, wie Kaufentscheidungen wirklich ablaufen. Die Erkenntnis: Zwischen „Ich habe ein Bedürfnis“ und „Ich kaufe“ liegt ein chaotisches Hin und Her aus Recherchieren und Vergleichen. Kein Funnel, kein linearer Weg.
Beispiel: So sieht eine echte Customer Journey aus
Jemand will neue Trainingsschuhe kaufen. Was passiert wirklich? Google-Suche → YouTube-Review → Instagram-Ad → zwei Wochen Pause → Reddit-Thread → andere Marke entdecken → zurück zu Google → Preisvergleich → Freund fragen → vielleicht kaufen. Oder auch nicht. Das ist die Messy Middle.
Die Konsequenz für deine Content-Strategie
Du kannst den Kaufprozess nicht kontrollieren – aber du kannst an möglichst vielen Touchpoints präsent sein. Nicht nur auf deiner Website, sondern dort, wo die Recherche stattfindet: in der Google-Suche, auf Social Media, in Foren, in Bewertungsportalen.
Meine Einschätzung: Die Messy Middle ist kein Framework zum Umsetzen – sie ist der Reality Check. Nimm sie als Erinnerung: Niemand kauft, weil du ihm einen netten Funnel gebaut hast. Sei an verschiedenen Stellen präsent, nicht nur auf deiner eigenen Website.
Eine mögliche Framework-Kombination für die Praxis
Kein einzelnes Framework deckt alles ab. In der Praxis kombiniere ich Elemente aus mehreren Ansätzen – welche genau, hängt vom Kunden, vom Geschäftsmodell und von der Ausgangslage ab. Ein Onlineshop mit 500 Produktseiten braucht eine andere Kombination als ein Personal Trainer mit drei Landingpages. Die folgende Grafik zeigt eine mögliche Integration, die sich für viele Sport- und Fitnessbrands als Startpunkt bewährt hat:

So kann die Kombination aussehen
Themen finden mit „They Ask, You Answer“ – die Big 5 deiner Kundenfragen als Startpunkt.
Struktur bauen mit Topical Authority – Themencluster und semantische Netzwerke für nachhaltige Rankings.
Audit machen mit dem Funnel – TOFU/MOFU/BOFU als Checkliste: „Haben wir Content für jede Phase?“
Über den Kauf hinausdenken mit dem Flywheel – zufriedene Kunden als Wachstumsmotor einplanen.
Realität akzeptieren mit der Messy Middle – an allen relevanten Touchpoints präsent sein.
Das ist ein Startpunkt, kein Dogma. In der Praxis gewichten wir je nach Kunde unterschiedlich: Ein lokales Studio braucht mehr Flywheel und weniger Topical Authority. Ein Onlineshop mit 50 Produktkategorien braucht vor allem Topical Authority und Funnel-Audit. Ein Personal Trainer startet am besten mit They Ask, You Answer und baut später aus.
Qualität vs. Quantität: Warum „mehr Content“ die falsche Antwort ist
Die meisten Fitness-Websites haben zu viel Content, nicht zu wenig – dutzende mittelmäßige Artikel, die niemand liest, die nicht ranken und die nur existieren, weil jemand gesagt hat „wir müssen regelmäßig posten“.
Hier ist ein unpopulärer Take: Wenn du zehn mittelmäßige Artikel hast, wärst du mit zwei exzellenten besser dran. Google hat das in mehreren Updates klargemacht: Qualität schlägt Quantität. Immer. Die Ära, in der du mit Content-Masse Algorithmen austricksen konntest, ist vorbei.
Content-Leichen loswerden
Manchmal ist Löschen die beste Strategie
Content-Leichen – alte Artikel, die niemand liest, die nicht ranken, die veraltet oder oberflächlich sind – ziehen deine gesamte Domain runter. Sie signalisieren Google „hier ist viel Durchschnitt“. Manchmal ist die beste Content-Strategie: Löschen. Zusammenführen. Ausmisten.
Was „Qualität“ praktisch bedeutet
Tiefe statt Breite
Ein Thema vollständig behandeln
Lieber ein Thema vollständig behandeln als zehn Themen oberflächlich anreißen. Ein 3.000-Wörter-Artikel, der alle Fragen beantwortet, schlägt zehn 300-Wörter-Artikel, die jeweils nur an der Oberfläche kratzen.
Einzigartige Perspektive
Was nur du sagen kannst
Was kannst du sagen, was andere nicht sagen können? Welche Erfahrung hast du, die andere nicht haben? Welche Daten, welche Einblicke, welche Meinungen? „10 Tipps für mehr Motivation“ kann jeder schreiben. Deine einzigartige Perspektive kann nur du schreiben.
Aktualität
Content ist kein „set and forget“
Content braucht Updates, Ergänzungen, Überarbeitungen. Ein Artikel von 2020 mit veralteten Infos schadet dir mehr als er hilft.
Echte Hilfe
Probleme lösen, nicht Keywords abdecken
Beantwortet dein Content die Frage, die der Leser hat? Löst er ein Problem? Oder ist er nur da, um Keywords abzudecken? Die Leser merken den Unterschied – und Google auch.
Ein Wort zu KI-generiertem Content
Das Tool ist nicht das Problem – die Strategie dahinter schon
Ja, KI-Tools können Content schneller produzieren als je zuvor. Und ja, die Versuchung ist groß: „Lass ChatGPT 50 Artikel schreiben und wir ranken überall.“ Das funktioniert nicht – oder nicht mehr lange. Googles Helpful Content Updates zielen genau auf diese Masse an generischem, austauschbarem Content ab.
KI ist ein Werkzeug, kein Autor. Sinnvoll eingesetzt kann sie bei der Recherche helfen, Entwürfe beschleunigen und Strukturen vorschlagen. Aber die einzigartige Perspektive, die echten Erfahrungen, die unbequemen Meinungen – das muss von dir kommen. Ein KI-generierter Artikel ohne menschliche Expertise, ohne echte Beispiele aus der Praxis, ohne Haltung, ist exakt der „Durchschnitts-Content“, den wir gerade zum Löschen empfohlen haben. Die Frage ist nicht „KI ja oder nein“ – die Frage ist: Nutzt du KI, um mehr Durchschnitt zu produzieren, oder um bessere Qualität schneller zu liefern?
Content-Erfolg messen: Die neue Realität nach AI Overviews
Die Spielregeln der Content-Messung haben sich fundamental verändert. Wer heute noch ausschließlich Klicks und Rankings misst, verpasst das Gesamtbild – und wer vorher nur Likes gezählt hat, war sowieso auf dem Holzweg.
Die drei Ären der Content-Messung
Die meisten Fitness- und Sportbrands stecken bei der Messung in einer von drei Phasen fest. Und die wenigsten sind in der richtigen.
Ära 1: Vanity Metrics (veraltet)
Likes, Follower, Pageviews – nette Zahlen, null Aussagekraft
Du kannst 10.000 Follower haben und keinen einzigen Kunden daraus gewinnen. Pageviews sagen dir, dass jemand auf der Seite war – aber nicht, ob er auch nur eine Sekunde geblieben ist. Likes sind Social Currency, keine Business Currency. Wenn dein Reporting auf diesen Zahlen basiert, misst du Rauch statt Feuer.
Ära 2: Klicks und Rankings (noch relevant, aber bröckelt)
Lange der Goldstandard – jetzt nicht mehr alleinige Währung
GSC-Klicks, organischer Traffic, durchschnittliche Position – das war jahrelang die richtige Antwort auf „Was soll ich messen?“. Und diese Metriken sind nicht plötzlich wertlos. Aber: In Zeiten von AI Overviews und Zero-Click-Suchen reichen sie allein nicht mehr. Rund 60% der Google-Suchen enden inzwischen ohne Klick auf ein Suchergebnis. Dein Content kann perfekt auf Position 1 ranken – und trotzdem keine Klicks generieren, weil Google die Antwort direkt in den SERPs liefert.
Ära 3: Sichtbarkeit + Marke + Business (wo es hingeht)
Drei Ebenen statt einer einzigen Metrik
Die neue Realität erfordert ein dreigliedriges Messmodell: Wirst du gefunden (Sichtbarkeit), wird dein Content konsumiert (Engagement), und verdienst du damit Geld (Business-Metriken)? Klicks sind dann eine Metrik unter mehreren – wichtig, aber nicht alleiniger Maßstab.
Die unbequeme Wahrheit über AI Overviews
Google zeigt zunehmend KI-generierte Antworten direkt in den Suchergebnissen. Das bedeutet: Dein perfekt optimierter Artikel kann als Quelle zitiert werden, ohne dass jemand klickt. Sichtbarkeit existiert dann, aber Traffic nicht. Wer nur Klicks misst, hält seinen Content für gescheitert – obwohl er eigentlich funktioniert. Die Lösung: Impressionen in der GSC werden wichtiger als Klicks. Brand-Suchvolumen zeigt, ob dein Content Markenbekanntheit aufbaut. Und letztlich zählt, ob Anfragen und Umsatz steigen – egal über welchen Weg.
Welche KPIs für welches Geschäftsmodell
Hier wird es konkret: Je nachdem, was du bist, brauchst du andere Metriken und andere Frameworks. Ein Onlineshop misst völlig anders als ein Personal Trainer – wer das ignoriert, optimiert an der falschen Stelle.
Onlineshop
Sichtbarkeit
GSC-Impressionen, Share of Voice in Produktkategorien, AI Overview-Zitierungen
Engagement
Organische Sessions, Seiten pro Session, Warenkorb-Einstiege aus Content
Business
Umsatz aus organischem Traffic, assistierte Conversions, Content-ROAS
Framework: Topical Authority + TAYA für Produktkategorien
Personal Trainer / Dienstleister
Sichtbarkeit
Lokale GSC-Impressionen, Google Business Profile Views, Keyword-Sichtbarkeit lokal
Engagement
Kontaktseiten-Besuche, Verweildauer auf Service-Seiten, Blog-to-Contact-Rate
Business
Kontaktanfragen, gebuchte Erstgespräche, Conversion Rate Landingpage
Framework: They Ask You Answer + lokale Sichtbarkeit
Sportbrand / Hersteller
Sichtbarkeit
Brand-Suchvolumen-Wachstum, Share of Voice vs. Wettbewerb, Medien-Erwähnungen
Engagement
Social Shares, Newsletter-Wachstum, Backlink-Wachstum durch Content
Business
Händleranfragen, D2C-Umsatz, Brand Lift in Befragungen
Framework: Flywheel + Topical Authority für Thought Leadership
Fitnessstudio / Lokales Business
Sichtbarkeit
Local Pack Rankings, „Routenplanung“-Klicks in Maps, Impressionen Google Business
Engagement
Anrufe via Google, Website-Besuche aus lokaler Suche, Google-Bewertungen
Business
Probetrainings, Mitgliedschaftsabschlüsse, Retention Rate
Framework: TAYA + lokaler Content, Community-Fokus
Konsistenz schlägt Perfektion
Der beste Redaktionsplan ist der, den du auch durchhältst. Lieber vier gute Artikel im Monat als ein perfekter alle drei Monate. Konsistenz baut Momentum auf – bei deiner Audience und bei Google.
Mein Rat: Plane 4–8 Wochen im Voraus, nicht mehr. Längere Planung wird zu starr und ignoriert, was du unterwegs lernst. Kürzere Planung führt zu Stress und reaktivem Posten.
Content-Strategie ist kein Luxus – sie ist Überlebensstrategie
Die Spielregeln ändern sich gerade fundamental. AI Overviews fressen Klicks, die Messy Middle macht lineare Planung obsolet, und Content-Masse war noch nie so wertlos wie heute. Was bleibt? Strategie.
Die Brands, die in zwei Jahren noch sichtbar sind, bauen jetzt Topical Authority auf, beantworten die unbequemen Fragen, messen die richtigen KPIs für ihr Geschäftsmodell und denken über den ersten Klick hinaus. Nicht weil das einfach ist – sondern weil die Alternative ist, im Rauschen unterzugehen.
Der größte Fehler ist nicht die falsche Strategie – es ist keine Strategie. Lieber mit einem 70%-Plan starten und unterwegs anpassen, als ewig planen und nie anfangen.

Über den Autor
Gründer, Sportive Growth Ltd. | Vizzibility Expertennetzwerk
Langjährige Erfahrung an der Schnittstelle von SEO, Produktentwicklung und digitaler Strategie – von iGaming Großprojekten bis E-Commerce. Sein Ansatz: Sichtbarkeit ganzheitlich denken statt in Einzeldisziplinen.
„Die meisten Fitnessunternehmen haben kein Content-Problem – sie haben ein Strategie-Problem. Und in Zeiten von AI Overviews wird das Strategie-Problem zum Sichtbarkeits-Problem.“
Bereit für eine Content-Strategie, die funktioniert?
Dieser Artikel gibt dir das Framework. Wenn du wissen willst, wie eine Content-Strategie konkret für dein Geschäftsmodell aussehen könnte – lass uns reden.
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30 Minuten, keine Verkaufspräsentation. Wir schauen gemeinsam, welche Frameworks und KPIs für dein Business Sinn machen.
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